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Macht Facebooks Libra andere Kryptowährungen überflüssig?

Nach langen und wilden Spekulationen war es heute endlich so weit. Facebook hat das Whitepaper zu seinem Projekt Libra vorgestellt. Wie erwartet handelt es sich um einen Stablecoin mit dem Ziel für Massenanwendung. Ein klares Zeichen dafür ist, dass heute, nach erscheinen des Whitepapers, alle großen Medien davon berichten.

Technisch gesehen handelt es sich um ein berechtigtes System von ausgewählten Nodes. Die Nodebetreiber müssen 10 Mio. USD bezahlen. Man möchte im Laufe der Zeit diese Abhängigkeit lösen und das System zu einem berechtigungsfreien umfunktionieren, sodass jeder einen Node betreiben kann. Am Anfang werden 33 Nodes für einen hohen Transaktionsdurchsatz sorgen. Das Projekt an sich ist Open-Source.

Der Konsensmechanismus der Libra-Blockchain ist eine praktische Byzantine Fault Tolerance Übereinkunft, bei der mindestens 2/3 der Netzwerkknoten eine Transaktion bestätigen müssen. Dabei wird wesentlich weniger Strom verbraucht als bei Proof of Work von Bitcoin.

Die Libra-Blockchain wird On-Chain Logik und Smart Contracts unterstützen. Dafür hat man eine eigene Programmiersprache mit dem Namen „Move“ ersonnen.

Ökonomisch gesehen wird der Stablecoin von einem Währungskorb aus den Währungen US-Dollar, Euro, japanischer Yen und britischer Pfund gedeckt sein. Der Sitz des Unternehmens ist, wie von uns bereits früher berichtet, in Genf. Die sogenannte Libra Association umfasst mehrere namhafte Unternehmen wie Uber, Spotify, Paypal, Coinbase und viele mehr. Bis zum Start im ersten Halbjahr 2020 strebt man mindestens 100 Mitglieder an. Facebook selbst hat nur ein begrenztes Mitspracherecht bei der Libra Association.

Geworben wird damit, dass Geldtransfers wesentlich einfacher vonstatten gehen werden. Auch wolle man für die Menschen, die keine Anbindung an die Finanzsysteme haben (1,7 Mrd. laut Whitepaper) einen Zugang schaffen. Es gibt bereits eine Wallet mit dem Namen Calibra, für die man sich schon anmelden kann, um auf dem Laufenden zu bleiben. Die Wallet speichert die privaten Schlüssel nicht wie gewohnt lokal, sondern bietet nur ein Gateway zum Zahlungsdienst. Auf der Seite ist außerdem nachzulesen, dass man sich mit einem amtlichen Ausweis identifizieren muss.

Fazit

Die Informationen, die das Whitepaper beinhaltet, waren schon vorher mehr oder weniger bekannt. Die Anzahl so vieler bekannter Unternehmen, die das Projekt unterstützen, überrascht allerdings ein wenig.

Facebook hat mit seinen über zwei Milliarden Nutzern eine sehr gute Ausgangsposition, um das Projekt zu vermarkten. Außerdem können sich durch Smart Contracts Unternehmen einfach anbinden. Die meisten Menschen außerhalb der Kryptoszene wollen nicht spekulieren, sondern einfaches, sicheres und schnell transferierbares Geld. Wenn erstmal Standards geschaffen werden und Libra von vielen Firmen integriert wird, werden es andere Kryptowährungen schwer haben, die ebenfalls den Anspruch auf Massenanwendung erheben.

Bitcoin hat sich schon ein bisschen von diesem Anspruch distanziert und wird auch als digitales Gold angesehen. Dies könnte ihn in seiner Position als Ausweichwährung stärken, sollte Libra erfolgreich werden. Außerdem stehen ggf. die Chancen für Smart Contract Plattformen mit einer bereits umfangreichen Infrastruktur, wie Ethereum oder EOS, ebenfalls nicht schlecht.

Es könnte sein, dass ein funktionierendes Libra viel Spekulationspotential von der Kryptowelt abzieht, weil die Durchsetzung vieler Projekte unwahrscheinlicher werden würde, wenn da schon ein dominanter Coin in alle Bereiche des Lebens vorgedrungen ist. Allerdings, falls es Probleme mit Zensur, Hacks oder Datenmissbrauch gibt, könnten die klassischen Kryptowährungen umso mehr Aufmerksamkeit bekommen.

Updated on Juli 22, 2019

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